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Simon Wölfl – Statement zur Deutschen Meisterschaft 2016 LG Männer

Simon Wölfl
– Simon Wölfl – DeutscherMeister Luftgewehr 2016

Worte aus dem Herzen Simon Wölfls – zum Titelgewinn Deutscher Meister 2016 LG Männer
Es ist ein komisches, durchaus besonderes Gefühl für mich, wenn ich von einem Freund gebeten werde ein Statement zu meinem Wettkampf mit dem Luftgewehr und Titelgewinn in der  Schützenklasse zu schreiben.  Aber dies mache ich für Hermann / Shootingfan sehr gerne, da ich eigentlich niemanden kenne, der so viel Herzblut in die Berichterstattung von Schießsportwettkämpfen legt, wie er!
Danke schonmal für diese Arbeit!

Wer München kennt und schon einmal einer Deutschen Meisterschaft als Zuschauer oder auch
Schütze beiwohnen durfte weiß, dass hier immer eine besondere Atmosphäre herrscht. Sei es durch die Aussteller oder auch die ganzen Landesverbände. Es ist – die – Veranstaltung im DSB auf nationaler Ebene. Das Ziel für jeden Schützen, der unseren Sport als Leistungssport sieht. Auch für mich ist es immer wieder schön und etwas besonderes , an der DM teilnehmen zu dürfen. Für mich ist München wie ankommen. Viele Freunde und Bekannte die ich hier eventuell nur einmal im Jahr sehen darf. Dies gibt vor dem Wettkampf auch etwas Sicherheit. Man kennt sich aus und weiß wie es abläuft. Diese Sicherheit ist ein wichtiger Punkt um einen sauberen Wettkampf bestreiten zu können. Egal in welcher Hinsicht. Jeder Wettkampf sollte gleich bewertet und nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Aber der Weg bis München beginnt schon beim Training. Seit nunmehr 20 Jahren betreibe ich diesen Sport. Es gibt nur wenige Hobbys oder Sportarten, in denen die Fähigkeiten des
Sportschießens gefordert sind. Für mich bringt der Sport auch heute noch ein besonderes
Konzentrationsvermögen hervor, welches auf Forderung in verschiedenen Alltagssituationen abgerufen werden kann. Dies ist ein Grund warum es für mich so wichtig ist, ein regelmäßiges Training aufrecht zu erhalten. Hierbei ist nicht nur das Training mit der Waffe gemeint, sondern auch das mentale Training. Gerade hier ist man im Finale besonders gefordert. Auch kann dieses Training außerhalb des Schießstandes absolviert werden, was mir besonders in den letzten 2 Jahren im Außendienst zugute kam. Hier kann ich eben keinen geregelten Trainingsbetrieb aufrechterhalten, sondern musste lernen auf andere Methoden umzusteigen. Sei es Fitness oder eben das mentale Training. Wenn dann doch einmal ein Training am Schießstand möglich war, wurde in diesem der Fokus auf einzelne Elemente gelegt.
Der Wettkampf selbst begann für mich – nicht so ganz nach meiner Vorstellung – mit einer 9.8 und 9.9 / bzw. einer 97er Serie. Dies ist für meine Ansprüche indiskutabel. Leider kann man es sich nicht aussuchen, sonst hätten wir ja alle die 600. Nein, mit dieser Serie musste ich klarkommen. Die kurze Analyse für mich am Stand war eindeutig. Ich war zu schnell gestartet. Durch die Drosselung meines Tempos, konnte ich dann die anderen fünf Serien für mich zufriedenstellend absolvieren. Wenn auch hier die 9.9 ein paar mal „Hallo Wach“ gerufen hatte. Am Ende standen 592 Ringe auf dem Monitor, mit denen ich sehr zufrieden sein konnte, da ich mir 590 in den letzten Tagen als kleines Ziel gesetzt hatte. Offenbar hatten einige Schützen mit den Temperaturen an dem Wochenende zu kämpfen, was dann den Finaleinzug mit „nur“ 592 Ringen bedeutete.
Das Finale selbst fand gut 2 Stunden nach meinem Durchgang statt. Dazwischen hieß es eine
kleine Stärkung zu mir nehmen und Schatten suchen. Die Finalhalle hat leider keine Klimaanlage und somit war die Luft an diesem Tag zum schneiden dick. Natürlich auch begünstigt durch die vorherigen Finaldurchgänge und die erfreulich hohe Anzahl von Zuschauern.
Es war mir klar, dass ich hier ohne Flüssigkeitszufuhr am Stand das Niveau wohl nicht halten können werde. Also ein Wasser mit an den Stand, welches auch als kleine Ablenkung gesehen werden kann. Mit Schützen wie Julian Justus und Michael Janker waren im Finale auch zwei aktuelle Olympioniken vertreten, was von vornherein klarmachte, dass hier alles möglich ist. Von sofortigem Ausscheiden bis Platz 3 waren hier die Gedanken. Diese musste ich aber wegbringen und ging für mich den neuen Finalmodus immer und wieder im Kopf durch. Auch ließ ich nochmal meine Analyse im Kopfkino ablaufen. um vermeidbare Fehler auszuschließen.
Durch den neuen Modus hatte ich alle Chancen und durch meine Außenseiterrolle mit 592 gegen Julians 598 Ringe auch nichts zu verlieren, was mich auch deutlich ruhiger machte.

Der kurze Blick ins Publikum war einfach überwältigend.
In meinem Juniorenfinale 2007 waren nicht annähernd so viele Zuschauer auf den Rängen. Besonders freute mich natürlich der kleine Fanblock, der sich um meine Vereinsmitglieder aus Bekannten und Freunde gebildet hatte. Durch viele dieser Anwesenden bekam ich in den 20 Jahren wertvolle Tipps und eine entsprechende Unterstützung, was einen kleinen Druck in mir auslöste. Denn auch diesen Personen will man etwas zurückgeben.
In der Probeserie konnte ich mein Gewehr schnell an die neuen Verhältnisse in der Finalhalle anpassen und mich auf die Schussabgabe sowie Feinheiten konzentrieren.
Dies gab schnell Sicherheit.
Die ersten 10 Schuss verliefen für meine Vorstellung relativ sauber in Bezug auf die Schussabgabe und spiegelten sich in 103.8 wider. Diese Ringzahl spülte mich auf Position Eins, was wiederum zu meiner Beruhigung beitrug, da ich mit den Eliminationen im hinteren Feld vorerst nichts zu tun hatte. Das zügige Absolvieren der Zweier-Serien ließ nicht viel Spiel für Gedanken, sondern erforderte die bedingungslose Konzentration auf die Schüsse, was mir zu Gute kam. Ich hatte auch nie wirklich mitbekommen welche Abstände ich zu welcher Position hatte oder auf welchem Platz ich nun stand.
Mit der Zeit lichtete sich das Feld immer weiter, bis ich realisierte, dass ich Bronze sicher hatte. Dies löste ein Glücksgefühl sowie eine deutliche Pulssenkung in mir aus.
Zwischenzeitlich war ich von Rang 1 auf den 2. Rang durch 3 x 9.9 abgerutscht und kam nun doch noch in den „Genuss,“ dass ich mich nochmals deutlich steigern musste, um im Rennen zu bleiben. Dies gelang auch.
Nun waren die letzten 2 Schüsse gekommen.
DSCF2604-001Ein Abstand von 1.3 Ringen gegenüber Julian aufzuholen erschien mir fast unmöglich. Seine Erfahrung sollte diesen Vorsprung locker ins Ziel bringen und so musste ich noch zwei für mich saubere Schüsse abgeben und war mehr als zufrieden. Mit einer 10.7 hatte ich nochmal einen dicken Schuss und plötzlich nur noch 0.4 Ringe Rückstand. Jetzt war doch wieder alles offen, was auch das Publikum bemerkte und beim letzten Schuss den bekannten Klatschrhytmus einlegte. Sogleich stellte sich auch der Puls darauf ein und es galt für mich nur noch zwischen den Schlägen zu schießen um hier nichts schiefgehen zu lassen. Während ich noch im Anschlag war hörte ich das Brechen von Julians Schuss und ein Raunen in der Menge, was mich gleichzeitig nochmal anspornte. Naja eine 9.9 zum Schluss war nicht der erhoffte Schuss, aber der Bildschirm zeigte eine 9.3 beim Gegner und mich auf Position Eins.
Ungläubig musste ich einen zweiten Blick darauf werfen bis das Adrenalin herausbrach und ich mich freuen durfte.
Deutscher Meister im Luftgewehr der Männer 2016 wie geil!
Sorry für die Wortwahl – aber manchmal kann man es nicht anders beschreiben!
Angekommen ganz oben in Deutschland  – ein Gefühl – welches jeder Sportler einmal erleben möchte.
Dies ist aber ohne die Unterstützung eines Teams aus Familie, Freunden, Mannschaftskollegen und Trainern nicht möglich. All Diesen widme ich ein – Danke – aus tiefstem Herzen!
Für die Zukunft wünsche ich mir wieder mehr junge Schützen, die mit viel Eifer, Willen, sowie entsprechender Unterstützung unseren Sport betreiben.
Ich hoffe diese vielen Zeilen haben einen kleinen Einblick in meine Denkweise und meine
Vorbereitung auf die DM mit dem LG gegeben.
Ich wünsche allen weiterhin GUT SCHUSS!
Simon

(Anmerkung Shootingfan:
Simon ist ein guter Typ … mit ein wenig zuviel Lobhudelei im Text – von der er sich aber nicht abbringen lassen wollte)
Link zum direkten Wettkampfbericht von Shootingfan

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